"Kabelkrise", Stagnation und ein Kartellamts-Veto

Die Pläne der neuen Eigentümer der drei kleineren Kabelregionen (ish, iesy und
Kabel BW)
mit aufgerüstetem TV-Kabel, dem Platzhirsch Telekom im Gebiet des breitbandigen Internetzugangs Konkurrenz
zu machen, erlitten im Jahr 2002 einen verheerenden Schiffbruch. Die ish-Muttergesellschaft Callahan sagte
der Telekom den Kampf an - und pokerte zu hoch. Dem Investor, der
seine Kabel-Ambitionen zu großen Teilen über hochverzinsliche Anleihen finanziert hatte, ging schlichtweg
das Geld aus. Callahan musste Insolvenz anmelden, und ish wurde Anfang 2003 an ein Bieterkonsortium
verkauft. Bei Kabel BW wurden die Pläne zur Kabelnetzaufrüstung
gestoppt.
Das gleiche Schicksal widerfuhr iesy in Hessen. Hatte der Kabelbetreiber im April
2002 noch hoffnungsfroh verkündet, mit dem Internet via TV-Kabel
durchstarten zu wollen, wurden, nachdem die
überschuldete Betreibergesellschaft NTL in finanzielle Nöte geraten war, die Ausbaupläne stillschweigend
auf Eis gelegt.
Das Kartellamt verhindert ein
neues Kabelmonopol

Nach der "Kabelkrise" war die Stimmung auf dem deutschen Kabelmarkt von der anfänglichen Euphorie nach dem
Verkauf der Telekom-Kabelnetze in das extreme Gegenteil umgeschlagen. Es herrschten Ernüchterung und
Stagnation, die Ausbaupläne für das Internet über TV-Kabel wurden zurückgenommen und die Geschäftspläne der
Kabelnetzbetreiber beschränkten sich weitestgehend auf die Distribution von Fernseh- und Radioprogrammen.
Selbst für Kenner des Kabelmarktes überraschend wurde dann Mitte Januar 2004 bekannt,
dass der Branchenprimus Kabel Deutschland plane, die regionalen Kabelbetreiber Kabel BW und iesy
zu schlucken.
Anfang April 2004 wurde das Gerücht wahr. Zum Preis von 2,7 Milliarden Euro erwarb
die KDG mit einen Schlag gleich alle drei kleineren Netzebene 3-Konkurrenten ish (Nordrhein-Westfalen),
iesy (Hessen) und Kabel BW (Baden-Württemberg). KDG gab sich optimistisch, dass die Kartellbehörden den
Zukauf durchwinken - das TV-Kabelnetz in Deutschland auf
Netzebene 3 wäre wieder in einer Hand gewesen.
Das Kartellamt aber zeigte sich den Argumenten der Kabelbetreiber gegenüber
verschlossen. Nach anfänglichen Nachbesserungsangeboten seitens der KDG - mit
Investitionen in Milliardenhöhe sollten in zehn Jahren 21 Millionen Kabelhaushalte internetfähig gemacht
werden - zeichnete sich ab, dass die ablehnende Haltung der Kartellbehörden bestehen würde. Angesichts der
drohenden Ablehnung nahm die KDG im September 2004 die
Fusionspläne zurück.
In den Augen des Kartellamtes haben die kleineren Kabelbetreiber den technischen
Fortschritt im Kabelnetz entschieden aktiver als die KDG vorangetrieben. Ein neues Kabelmonopol wäre für
die Internet-Aufrüstung des Kabelnetzes keine notwendige Voraussetzung und würde die Aufrüstung sogar eher
bremsen als befördern.
Das zentrale Argument hinter der ablehnenden Haltung des Kartellamtes ist die
beherrschende Stellung der KDG auf dem "Einspeisemarkt" für TV-Programme. Eine Marktmacht, die, nach
Einschätzung des Kartellamtes, schon jetzt zu einer kritischen Abhängigkeit der TV-Sender von Deutschlands
größtem Kabelbetreiber geführt hat.
Netzebene 4-Kabelbetreiber: Die
Großen unter den Kleinen

Unter den Netzebene 4-Kabelbetreibern mit direktem Zugang zum Endkunden gibt es vier Betreiber, die sich
von den kleineren Anbietern (Wohnungsgesellschaften, Antennenbauer, etc.) zum einen dadurch abheben, dass
sie einen weitaus größeren Kundenstamm versorgen (von 500 000 von bis zu zwei Millionen Endkunden) und zum
anderen dadurch, dass überregional tätig sind:
Der auf der Netzebene 4 aktive Elektrokonzern
Bosch versorgt bundesweit über eine Million Kunden
mit Kabelfernsehen. Zwickau war die erste Stadt in der unter dem Markennamen
blue-cable Internet über das Fernsehkabel angeboten wurde. Mittlerweile gibt es Internet mit "blue-cable"
in rund einem halben Dutzend deutscher Städte.
Die ewttss mit Sitz in Augsburg und Berlin hat etwa
570 000 Kabelkunden. Internetzugang über das TV-Kabel bietet ewttss außer in Augsburg und Berlin-Mitte in
etwa zehn weiteren Städten in Deutschland an.
Der vornehmlich in den neuen Bundesländern tätige Mainzer Kabelbetreiber
Primacom
erreicht etwa 1,8 Millionen Haushalte. Primacom begann in den Regionen Chemnitz, Halle, Leipzig, Magdeburg
und Naumburg mit dem Aufbau moderner Kabelnetze. Inzwischen bietet Primacom auch in Mainz und Wiesbaden
Highspeed-Internet über das TV-Kabel.
Die Telecolumbus GmbH mit Sitz in Hannover versorgt rund
2,4 Millionen Haushalte mit Kabel-TV. Telecolumbus, die seit Mitte 1999 in Besitz der Deutschen Bank war,
wurde Anfang 2003 an die Risikokapitalgesellschaft PC Investors verkauft. Telecolumbus bietet Internet via
Fernsehkabel über das infocity-Portal.
Detailliertere Informationen in welchen Städten und Regionen Internet über das
TV-Kabel angeboten wird und die Tarife finden sich auf unserer
TV-Kabel-Anbieterseiter.