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Vom "Kabelgroschen" bis zum Ende des Telekom-Kabelmonopols

 

Die Ursprünge des Breitband-Kabelnetzes in Deutschland gehen auf das Jahr 1978 zurück, als die Ministerpräsidenten der Bundesländer die ersten Kabelpilotprojekte beschlossen. Finanziert wurden die Projekte über den so genannten "Kabelgroschen", einen Beitrag von 20 Pfennigen (10,23 Cent), der über die monatlichen Rundfunkgebühren erhoben wurde.
     Im Jahr 1984 fiel dann eine folgenschwere Entscheidung, die die Entwicklung des TV-Kabelnetzes bis heute nachhaltig beeinflussen sollte: Das Postministerium gab den andauernden Protesten des mittelständischen Handwerks, die Absicht der Bundespost, das TV-Kabel bis in die Wohnzimmer verlegen zu wollen, sei für mittelständische Betriebe extrem geschäftsschädigend, nach und erklärte sich bereit, die Kompetenz der Bundespost auf die Netzebene 3 zu beschränken.
     Seitdem verlegte die Post ihre Kabel nur bis an einen Übergabepunkt an der Grundstücksgrenze oder im Keller des Hauses. Ab dem Übergabepunkt wurde die hausinterne Verkabelung (Netzebene 4) privat finanziert. Die Spätfolge dieser Entscheidung sind Interessenkonflikte zwischen kleinen und großen Kabelnetz-Betreibern über die Höhe der Gebühr für die Signalweiterleitung.

Die Odyssee um den Verkauf der Telekom-Kabelregionen

Bis Ende der 1990er Jahre behielt die Deutsche Telekom ihr Quasi-Monopol über das TV-Kabelnetz. Als 1997 die EU-Wettbewerbskommission in Brüssel von den ehemals staatlichen, monopolistischen Telekommunikationsunternehmen forderte, ihre Kabelnetze zu verkaufen, zumindest aber an rechtlich unabhängige Unternehmen auszugliedern, begann die Odyssee um den Verkauf der neun Kabelregionen der Telekom (Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bremen-Niedersachsen, Schleswig-Holstein/Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern, Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen; siehe Karte Kabelregionen).
     Der eigentliche Verkauf der Kabelregionen aber geriet zu einer mehrere Jahre andauernden Odyssee. Das brachte den Die Verkaufsverhandlungen gingen nur schleppend voran und der Ex-Monopolist geriet ins Schussfeld der Kritik der privaten Kabelbetreiber und der ANGA, dem Verband Privater Kabelnetzbetreiber: Die Telekom betreibe den Verkauf nur halbherzig, die Verkaufsstrategie sei ein Verwirrspiel, eine Verzögerungstaktik, die einzig und allein dazu diene, das Hauptgeschäft der Telekom, das Telefonnetz und im Bereich Breitbandzugang das Telekom-Produkt T-DSL, vor der Konkurrenztechnologie zu schützen.
     Als erste Telekom-Kabelregion kam schließlich Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000 zum Verkauf. Die US-amerikanische Callahan Associates International Inc. erwarb 55 Prozent der Anteile an der Regionalgesellschaft mit rund 4,2 Millionen angeschlossenen Haushalten. Seit 2001 firmiert Kabel NRW unter dem Namen ish.
     Der Verkauf der Kabelregion Baden-Württemberg mit Zugang zu 2,2 Millionen Haushalten an Callahan ging nach langwierigen Verhandlungen im September 2001 über die Bühne.
     Ein internationales Investoren-Konsortium erwarb 65 Prozent Anteile an der Kabelregion Hessen von der Deutschen Telekom. Die aus der eKabel Hessen GmbH hervorgegangene Firma iesy ist mit circa 1,3 Millionen angeschlossenen Haushalten der größte Kabelnetzbetreiber in Hessen.
     Seinen medialen Höhepunkt sollte das 'Verwirrspiel' um den Verkauf der Telekom-Kabelregionen im Februar 2002 erreichen: Das Kartellamt untersagte den schon perfekten Verkauf der letzten sechs Kabelregionen - 60 Prozent des Kabelnetzes unter der Regie der Kabel Deutschland GmbH (KDG) - an den amerikanischen Investor Liberty Media. Vorausgegangen war eine ein halbes Jahr andauernde Medienschlacht um Sinn und Unsinn einer erneuten marktbeherrschenden Stellung im deutschen Kabelmarkt.
     Fast auf den Tag genau ein Jahr später hatte das Kartellamt bemerkenswerterweise dann keine Bedenken mehr, dem gebündelten Verkauf der sechs Kabelregionen an ein US-Finanzkonsortium zuzustimmen. Das Nachsehen hatte die Telekom, denn sie musste einen herben Preisverfall hinnehmen. Bei dem Deal mit Liberty Media hätte sie noch 5,5 Milliarden Euro einstreichen können - im März 2003 gingen die Kabelnetze schließlich für 1,725 Milliarden Euro in bar über den Tisch.
 

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