Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Die vier Netzebenen: Interessenkonflikte sind vorprogrammiert
3. Vom "Kabelgroschen" bis zum Ende des Telekom-Kabelmonopols
4. "Kabelkrise", Stagnation und ein Kartellamts-Veto
Das Internet über das TV-Kabel ist in Deutschland bislang nicht sonderlich weit
verbreitet. Die Angebote sind regional begrenzt, und selbst in den Gebieten, in denen das TV-Kabel -
synonym auch Breitbandkabel, Fernsehkabel oder einfach Kabel - schon internetfähig ist, treffen die
Betreiber auf eine geringe Akzeptanz bei den Endkunden. Somit ist Internet via TV-Kabel nach wie vor ein
Nischenprodukt.
Dabei hätte das Fernsehkabel durchaus das Zeug zu einem ernsthaften Konkurrenten zu
DSL im Bereich breitbandiger Internetzugang. Zum einen ist das deutsche TV-Kabelnetz mit etwa 18 Millionen
angeschlossenen Haushalten hinter dem Telefonnetz das am besten ausgebaute Kommunikationsnetz - der
deutsche TV-Kabelmarkt ist der mit Abstand größte in Europa und weltweit die Nummer Zwei hinter den USA.
Zum anderen bietet das Breitbandkabel bezüglich der möglichen Bandbreite ideale
technische Voraussetzungen zum multimediafähigen Allzweck-Kabel. In den Schubladen der Planer liegen weit
reichende Konzepte. Diese beziehen sich vor allem auf die Verschmelzung zwischen dem PC mit
Internetanschluss und dem Fernseher zu einem multimedialen und interaktiven Informations- und
Unterhaltungspool: Video-on-Demand, interaktives Fernsehen, Pay-TV, Servicekanäle und die Einführung von
Bildtelefonen.
Dass das TV-Kabel sein Potenzial in Deutschland aber nicht entfalten kann, bisher
keine ernsthafte DSL-Konkurrenz ist und die multimedialen Zukunftspläne auf nicht absehbare Zeit in den
Schubladen bleiben werden, hat seine Ursachen weniger in der technischen Machbarkeit, sondern vor allem in
den komplizierten markt- und medienpolitischen Verhältnissen des deutschen Kabelmarktes.